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Zeittafel
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Willkommen bei der Heimatortsgemeinschaft Neudorf(Banat)

Zeittafel 1458-1991

Neudorf um  1909

Jahr

Ereignis

1458

Erste urkundliche Erwähnung eines Ortes auf der Gemarkung des heutigen Neudorf: Also(Unter)- Keszin, zur Unterscheidung von Felsö (Ober)- Keszin, dem heutigen Kessintz (Chesinti)

1463

Der Ort Papfalva, zwischen Lippa und Zabran gelegen, in Besitz der Familie Szeri Potasi

1717

Am Ende der Türkenzeit besteht, 2 Km nördlich vom heutigen Neudorf gelegen, der Ort Nero, dessen rumänische Bewohner wegen der ständigen Überschwemmungsgefahr durch die Marosch nach dem heutigen Nerau (Nero) umsiedeln.

1723-
1725

Die Mercysche Landkarte enthält an der Stelle des heutigen Neudorf den Ort "Novasello".

1761

Auf der amtlichen Landkarte ist das Praedium "Novasello-Puste" als unbewohnter Ort verzeichnet.

1765

Gründung von Neudorf durch die Ansiedlung von 148 Familien aus dem Reich durch Samuel Neumann Edler von Buchholtz.

1766

Gründung der Pfarrei; ab Oktober Matrikelführung

1770- 1771

Erbauung der Kirche auf Kosten der Kaiserin Maria Theresia

1771

Am 1. Sonntag im Oktober wird die Kirche zu Ehren des Hl. Wendelin von Domherr Leonhard Rotenbach aus Temesvar eingeweiht

1782
(1779)

Der bisherige Kameralort wird von Adam Deseö für die Summe von 30.000 Gulden erworben.

1797

Sigismund Lovasz de Ötvenes erwirbt Neudorf von seinem Schwager Desö.

1798

Errichtung des Kastells und der Schule

1809

Am 10. Oktober stirbt im Kastell Maria Anna Ferdinanda von Habsburg, die Schwester des Kaisers von Österreich, Franz I.

1846

Amalia Lovasz de Ötvenes, Erbin der Grundherrschaft, heiratet Ladislaus Zelenski

1848

Verwüstung des Kastells durch Aufständische

1884

Graf Robert Zelenski ( † 1938) wird letzter Grundherr von Neudorf; Restaurierung und Erweiterung des Kastells

1893

Gründung des Vereins der Freiwilligen Feuerwehr

1897

Neudorf erhält eine Eisenbahnhaltestelle an der Linie Lippa-Temeswar

1898

Offizielle Namensänderung von Neudorf in "Temesujfalu"

1899

Die heute noch bestehende Schule wird erbaut

1903

Thronfolger Franz Ferdinand ( 1914 Opfer von Sarajevo) weilt vom 3.-7. September im Kastell anlässlich eines Manövers

1910

Volkszählung: von 1310 Einwohnern sind 1033 (78.9 %) Deutsche und 149 Rumänen.

1914- 1918

I. Weltkrieg: von 75 mobilisierten Wehrpflichtigen sind 27 auf den Schlachtfeldern gefallen.

1916

Rot-Kreuz-Lazarett im Kastell

1918

Anschluss an das Königreich Rumänien

1923

Agrarreform

1930

Amtliche Volkszählung der rumänischen Regierung: von 1052 Einwohnern sind 914 (86,9 %) deutscher und 85 rumänischer Volkszugehörigkeit

1938

Im Kastell wird nach dessen Restaurierung eine Hauswirtschaftsschule für Mädchen eingerichtet

1939

Gründung einer landwirtschaftlichen Genossenschaft

1939- 1945

II. Weltkrieg: von 26 Wehrpflichtigen in der rumänischen Armee finden 8 den Tod und von 75 Eingezogenen im deutschen Heer werden 22 Tote beklagt

1944

Vom 15. Oktober bis zum 21. November wird die Bevölkerung von Neudorf nach Guttenbrunn evakuiert, da der sowjetische Marschall Malinowski hier sein Hauptquartier aufschlägt.

1945

Im Januar werden über 100 Frauen und Männer zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert, von denen 34 dort sterben.

1945

Beginn der Zerstörung des Kastells durch sowjetische Truppen;
6. März: Agrarreform, durch welche die meisten deutschen Landwirte enteignet werden.

1948

Schulreform

1951

Beginn der Kollektivisierung der Landwirtschaft, die bis 1958 mit dem Beitritt aller Bauern abgeschlossen wird

um
1970

Beginn der grossen Ausreisewelle der Banater Schwaben in die Bundesrepublik Deutschland

1989

In Neudorf wohnen ca. 135 Deutsche und 1000 Rumänen

1991

Die letzten Ausreisewilligen haben Neudorf verlassen. Es leben hier noch 10 Personen deutscher Volkszugehörigkeit.

Auszug aus:

Familienbuch der kath. Pfarrgemeinde Neudorf bei Lippa/Banat, 1766-1857
Agnes Neff(geb. Lannert) und Anton Neff
Herausgeber: Arbeitskreis donauschwäbischer Familienforscher(AKdFF), Sindelfingen,
1992
Vorwort der Autoren(Auszug
)

Von der Ansiedlung der 148 Kolonistenfamilien durch den den Lippaer Salzeinnehmer Joh. Samuel Neumann von Buchholz, Mitte 1765 bis Oktober 1766, war Neudorf Filiale der Pfarrei Guttenbrunn.

Am Ende des Buches soll ein Versuch unternommen werden, die Herkunftsorte der Ansiedler von Neudorf nach geographischen und historischen Gebieten zu ordnen, was aber aufgrund der politischen Zerrissenheit des deutschen Sprachraumes im 18. Jh. äußerst schwierig ist, so daß kein Anspruch auf Vollkommenheit und Vollständigkeit erhoben werden darf.

Das südwestdeutsche Sprachgebiet, die Urheimat der überwiegenden Mehrheit des donauschwäbischen Volksstammes, war infolge des dreißigjährigen Krieges in zahlreiche mehr oder weniger souveräne Kleinstaaten zerfallen, die von selbstherrlichen Feudalfürsten regiert wurden. Diese Gebiete, die sich nach außen nicht schützen konnten, waren im 17. und 18. Jh. wiederholt Schauplätze der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und dem durch die Türkenkriege gebundenen Österreich. Besonders die Landbevölkerung war dadurch immer wieder Plünderungen, Verwüstungen und Gewalttaten ausgesetzt. Dazu kamen häufige Missernten in manchen Gegenden durch ungünstige Witterungen, Mangel an landwirtschaftlich nutzbaren Flächen, hohe Steuerbelastungen und Fronpflichten. Demzufolge war auch die Bereitschaft der Menschen, besonders der Kleinbauern und Taglöhner, die Heimat zu verlassen, groß, als die von der österreichischen Regierung gesandten Kolonistenwerber erschienen, um Siedler für die von den Türken eroberten entvölkerten Gebiete im Südosten des Reiches zu gewinnen.
Die Neudorfer Erstsiedler kamen größtenteils aus zwei Hauptauswanderungsgebieten, und zwar aus dem Raum Mosel-Saar-Hunsrück und dem Rhein-Main-Neckar Gebiet mit Odenwald und Franken.
Zur Zeit der Theresianischen Kolonisation, in die auch die Ansiedlung von Neudorf (1765) fällt, gab es im Mosel-Saar-Gebiet mehrere Landeshoheiten, aus denen Auswanderer kamen:
- das Herzogtum Lothringen im Süden (fiel 1766 an Frankreich)
- das Erzbistum Trier (Kurtrier) umfaßte Gebiete beiderseits der Mosel
- das Herzogtum Luxemburg
- das Fürstentum Nassau-Saarbrücken
- die Reichsgrafschaften (Simmern, Sickingen, Dagstuhl, Leyen, Falkenstein)
- das Fürstentum Zweibrücken
- die Gebiete der Markgrafschaft Baden: um Birkenfeld, Gräfenstein und Kirchberg/Hunsrück
In dem Gebiet zwischen Rhein, Main und Neckar stellte der Odenwald mit seinen kargen landwirtschaftlich nutzbaren Böden die grüßten Auswandererkontingente. Der größte Teil des Odenwaldes, vor allem der Norden und Osten, gehörte zum Erzbistum Mainz (Kurmainz), der kleinere Teil im Süden war kurpfälzisch. Weitere Landeshoheiten in diesem Auswanderungsgebiet hatte der Deutsche Orden, das Bistum Würzburg sowie das Fürstentum Hohenlohe.
In den Ansiedlungsgebieten fanden die Kolonisten keinesfalls die von den Werbern versprochenen Verhältnisse vor, sondern waren neben den materiellen Nöten auch noch den klimatisch ungünstigen Bedingungen ausgesetzt, an deren Folgen die Menschen massenweise hinweggerafft wurden.
Nach einer mit zahllosen Opfern verbundenen mühevollen Aufbauarbeit über mehrere Generationen hinweg wurden die nach dem Türkenkrieg völlig verwüsteten und verkommenen Länder endlich zu den florierenden, wohlhabenden Provinzen, wie sie durch die pragmatische Politik der Habsburger erstrebt worden waren. Das blühende Kolonisationswerk fand allerdings mit dem Ende des 2. Weltkrieges einen tragischen Untergang durch die Vertreibung der deutschen Volksgruppe aus den meisten donauschwäbischen Siedlungsgebieten. Im rumänischen Banat jedoch war der dt. Minderheit durch Enteignungen, Verschleppungen und ständigen Diskriminierungen die Lebensgrundlage entzogen, so daß eine massive Auswanderung besonders ab ca. 1980 einsetzte, die der Existenz der Deutschen in Rumänien in absehbarer Zeit ein Ende bereiten wird.
In dem ehemals reindeutschen schmucken Schwabendorf Neudorf gab es im Jahre 1991 so gut wie keine Nachkommen mehr der so fruchtbar kolonisatorisch tätigen Ansiedler aus dem 18.Jh.
Bruchsal, im September 1991

hog-neudorf.de

Aktualisierung: 23.09.10

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