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Aktualisierung: 23.09.10

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Willkommen bei der Heimatortsgemeinschaft Neudorf(Banat)

Im Bann der Vergangenheit

Neudorfer Reiseeindrücke 2010

Für einen ganzen Tag hatte mich Neudorf wieder, aber auch ich hatte das Dorf meiner Kindheit und meiner frühen Jugendzeit wieder. Verzaubert von Erinnerungen, dem herrlichen Landschaftsbild mit seinen Bergen, Tälern und den verlockenden Obstbäumen mit knackigen Äpfeln, süßen Birnen, saftigen Pfirsichen und dem unweit davon fließenden silbernen Band der Marosch begann ich zu träumen. Ich träumte von einst. Ja, träumen durfte ich, doch nur träumen, denn die Realität ist eine Tristesse.
Was bereits Eigentum ist, was nicht, kann nur schwer auseinandergehalten werden, denn nichts ist „in Schuss“, alles ungepflegt: die Bäume nicht geschnitten und das Gras, sprich Unkraut, wuchert weiter.
Ich frage mich: „Wie kann man dieses Potenzial an landschaftlichem und wirtschaftlichem Reichtum vernachlässigen, verkommen und verfallen lassen?“. Diese Frage gilt sowohl für den Garten als auch für die Wirtschaftsgebäude. Es scheint, die Neueigentümer haben vergessen, dass selbst als Spekulation angekauftes Eigentum seine Instandhaltung und Pflege braucht, wenn es gewinnbringend wiederverkauft werden soll.

Wir sind auf dem Weg von Lippa nach Neudorf. Das Bildstöckel steht auch heute noch in blühendem Weiß dort, wo es immer schon stand. Ein Blick nach links eröffnet die gewohnte Perspektive der von Obstbäumen bedeckten sanft ansteigenden Bergen, die mit der Ausnahme einer eingezäunten Parzelle das Bild bereits erkrankter Bäume darstellt. Diese Parzelle war angeblich das Eigentum des inzwischen verstorbenen Sohnes unserer Landsmännin Eva Walkenbach (Bogdan). Wie es damit weitergehen soll, ist ungewiss.

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Die folgenden Bilder handeln von der „Großen Morgen“ einem einstigen landwirtschaftlichen Vorzeigebetrieb sozialistischer Planwirtschaft, den man nach der Wende nicht versucht hat, zu erhalten und weiter zu nutzen. Nein, er wurde zum Teil an Spekulanten verkauft, die sich damit einen alsbaldigen Profit erhofften, ohne viel Arbeit zu investieren. Dass auch ein Obstgarten lieber Knechte als Herren hat, daran dachte man nicht. Auch hier fällt das schöne und schmackhafte Obst nicht vom Himmel.

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Links steht das einstige Bürogebäude einer Obstfarm
Rechts waren Schlafräume für Saisonarbeiter untergebracht.

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Die Sortierhalle für Obst

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Lagerhalle zur Aufbewahrung von Obst ( meist Äpfel) bei +2° bis +4° / (Vorderseite)

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Links: Kühlhalle zur Aufbewahrung von Obst(Rückseite von Bild oben)
Rechts: Neubau der Schlafräume für Saisonarbeiter

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Überdachte Großbehälter zur Gärung von Fallobst und Obst von minderwertiger Qualität
 meist Pflaumen und Äpfel( Rückseite der Schnapsbrennerei).

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Und hier gleich die Brennerei(Vorderseite)

Wir verlassen die Obstplantage und nähern uns dem Dorf, das auch heute noch seinen alten deutschen Namen „Neudorf“ trägt. Leider ist nur noch der Name deutsch. Kaum noch begegnet man einem bekannten Gesicht, das sich mit unseren Kindern in deutscher Sprache verständigen könnte. Einige Bauten und Häuser erinnern uns noch an das alte und stolze wohlhabende, schwäbische Dorf. Hinzu kommen die Kirche und der Friedhof mit seinen Steinen, und Kreuzen, auf denen auch heute noch deutsche Namen zu lesen sind. Sie allein werden in nächster Zukunft an die deutsche Vergangenheit dieses Ortes erinnern.
Zunächst überrascht uns der traurige Rest der einstigen Maschinen und Traktorenstation
(SMT).
Das Bild zeigt den Außenhof in Richtung Wald. Repariert wurden hier landwirtschaftliche Maschinen. Jetzt liegen hier zahllose auf ihren Abtransport wartende Baustämme. Da niemand anwesend war, konnte weder „Herr noch Knecht“ festgestellt werden. Wahrscheinlich gehört das Holz der Gemeinde, da das Wäldchen einst gräfliches Gut war und der neue Eigentümer die Gemeinde ist. Verwalter ist das Forstamt.

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Der Innenhof sieht etwas aufgeräumter aus, obwohl auch hier schon, trotz der Betonplatten, das Unkraut zu wuchern beginnt.

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Das Wasserbecken gehört ebenfalls zum Innenhof, hat aber sein Ziel verfehlt. Grünes, verseuchtes Wasser wartet auf schwimmlustige Enten. Das sind die einzigen Badegäste. Der Tiefbrunnen sorgt auch weiterhin Tag und Nacht ununterbrochen für sein kühlendes Nass und die Neubewohner wissen das genau so zu schätzen wie wir einst.

Der nächste Halt ist die „neue Schule“. Als neu kann man das Schulhaus überhaupt nicht bezeichnen. Es ist das für eine Schule notdürftig umgebaute und sanierte Wohnhaus der Familie Krastl auf der Straße.
Das ist ein Blick auf den Innenhauf der jetzigen Schule. Eine Mutter holt ihre Kinder nach Schulschluss von der Schule ab.

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Schüler auf dem Heimweg vor dem Schulhof

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Blick in ein Klassenzimmer mit lila gestrichenen Türen. Daran muss sich noch unser Auge gewöhnen.

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Die Religionslehrerin im neuen Schulhof

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Verlassen und mit einem verrosteten Hängeschloss an einer alten Kette am Tor. Den Witterungsverhältnissen preisgegeben, steht sie da „unsere Schule“. Der solide Bau hätte bei ständiger Pflege noch über 100 Jahre die Zeiten überdauert. Ich kann die Kirchenleitung, die an einem überteuerten Preisangebot festhält, nicht verstehen und erlaube mir die Frage: „Welches wird der Gewinn sein, wenn nach Jahren statt der Schule ein Schutthaufen hier liegt?“. Wäre es nicht besser, jetzt noch einige Tausender zu kassieren und von dem Geld das Kirchendach und die Orgel reparieren, als nachher ohne Schule und ohne Kirche dazustehen?

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Dem alten Schulhaus gegenüber steht unsere genau so ehrwürdige Kirche. Das Neudorfer Gotteshaus ist dank der Gruft unter dem Altar mit den sterblichen Überresten des Grafenehepaares Zselenski und der Prinzessin Anna-Maria Ferdinanda von Habsburg, Tochter von Leopold II (siehe Heimatblatt 4/ 2009) unter Denkmalschutz gestellt. Dank der Spenden unserer HOG präsentiert sich die Kirche auch heute in dem gewohnt guten Zustand, obwohl es schon wieder einiges an Pflege bedarf, Orgel und Dach z.B. Leider konnte ich bei meinen Kurzbesuchen niemals in die Kirche eingelassen werden, da der zuständige Pfarrer, wenn ich richtig informiert bin, in Lipova wohnt und der Messdiener nur abends zu Hause anzutreffen ist. Das Heldendenkmal neben der Kirche, renoviert und mit kleineren neugestalteten Änderungen versehen, finanziert von der HOG, müsste wieder mal gejätet und von Unkraut gereinigt werden.

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Wir verlassen mit einem Zeichen des Kreuzes den Kirchplatz und fahren Richtung Friedhof.
Der einzige Ort, in dem noch Schwabenwind weht, ist den Umständen entsprechend gepflegt und im Vergleich zu anderen Friedhöfen sieht er nicht schlecht aus.. Die Jäger- Kapelle wurde frisch gestrichen, und das wasserdurchlässige Dach dicht gemacht. Die Kosten dafür bezahlte die HOG. Der Erbe und letzte Eigentümer, Dr. Lessl, verschenkte sie der jetzigen Kirchengemeinde Neudorf, die ab nun die Instandhaltungsarbeiten finanzieren soll.

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Nach einer Gedenkminute am Grabe meiner Großeltern und meines Onkels Thomas verließ ich diesen gesegneten Ort, und wir begaben uns am Feuerwehrhaus vorbei, Richtung Bad Felix.

Dieser Bildbericht sollte Anregung für meine Neudorfer Landsleute sein, besonders für die ältere Generation, die sich aus den verschiedensten Gründen nicht mehr in die alte Heimat
begeben kann. Auch ihnen sei nochmals ein schöner Traum gegönnt.

Text und Fotos: Johann Harle
Layout, Fotonachbearbeitung: Erhard Linder

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